Kurze Antwort: Beides ist gleichzeitig möglich. Zusatz: Prinzipiell.
Um Missverständnisse zu vermeiden, hier aber einige Begriffsklärungen:
Bodybuilding bedeutet zunächst einmal nichts anderes als "Körperformung". Mit Masse hat das nicht unbedingt etwas zu tun.
Richtig aber ist: In der Praxis gerade des Wettkampfsports versuchen Bodybuilder auch quantitativ Masse aufzubauen. Ein maximal effizienter Massenaufbau wiederum erfordert neben sehr hartem Training ein hohes Maß an Energiezufuhr beziehungsweise funktioniert nur dann optimal. Wer an sichtbaren Trainingserfolgen interessiert ist, sollte also zumindest in der Masseaufbauphase (auch energetisch) hochwertig essen.
Nicht korrekt ist aber die Aussage, dass jeglicher Masseaufbau nur durch überkalorische Ernährung funktoniert. Das kann jeder selbst testen, indem er nicht mehr isst als sonst, jedoch drei mal wöchentlich maximal intensiv Gewichte stemmt. Es wird sich in jedem Fall ein Muskelzuwachs einstellen. Er ist eben nur nicht so ausgeprägt, wie wenn man sich zusätzlich speziell ernährt.
Umgekehrt wird sich beispielsweise bei gleichzeitiger 50%iger Kalorischer Restriktion durch Training kaum noch ein Muskelzuwachs erzielen lassen, allerdings wird man auch weniger Muskelmasse durch die Diät verlieren, als wenn man nicht trainieren würde. Letzteres ist ein oft zu wenig beachteter Effekt, denn energiereduzierte Diäten (vor allem wenn sie nur wenig Protein liefern) führen zu teilweise drastischem Muskelverlust (mehr als zum eigentlich beabsichtigten Fettverlust). Das ist ein Grund, warum Fettabbau ohne Muskeltraining so schlecht funktioniert.
Der Anti-Aging-Nutzen von Krafttraining oder BB-Training ist auf zwei Haupt-Ebenen zu sehen:
1. Intensives Muskeltraining erhöht die Insulinempfindlichkeit der Muskulatur und erhöht bei richtiger Trainingsform die Muskelmasse. Letzteres beziehungsweise beides zusammen wirkt sich unter anderem im Hinblick auf die Glycogenspeicherfähigkeit und damit neben anderen Faktoren auf den gesamten Energiestoffwechsel aus (Wirkungen auf die Knochen und andere Aspekte sind dabei noch nicht berücksichtigt).
2. Intensivbelastungen führen zu teilweise extremen Hormonausschüttungen, die sich günstig auf die Gesundheit und die Lebensspanne auswirken. Diese endokrinologischen Reaktionen sind aber nur von der relativen Anstrengung abhängig. Mit anderen Worten, es ist wichtig, wie sehr sich jemand anstrengt, nicht wie hoch die absoluten Gewichte sind und auch nicht wie hoch der Muskelzuwachs danach ausfällt.


